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An
einem eisig kalten Montagabend im November 1978 versammelten sich in San
Franciscos Lesben- und Schwulenviertel rund um die Castro Street tausende
aufgebrachte Menschen. Schließlich gipfelte ihre Wut in gewalttätige
Ausschreitungen. Mehr als 160 Verletzte wurden in Krankenhäuser eingeliefert.
Was war
geschehen?
San
Francisco in den 70er-Jahren: In der ersten, von Schwulen bestimmend geprägten
Nachbarschaft des Distrikts um die Castro Street bildet sich ein neues
Selbstbewußtsein - es scheint nur eine Frage der Zeit, bis sich dies auch
politisch manifestieren wird.
Unter
ihnen wird Harvey Milk zur charismatischen Persönlichkeit. Milk übersiedelte
1972 mit seinem Freund Scott Smith nach San Francisco, wo er im Viertel der
Castro Street ein Fotogeschäft ("Castro Camera") betrieb. Schon 1973 kandidierte
er für den Stadtsenat von San Francisco. Doch erst beim vierten Anlauf, 1977,
schaffte er es, zum Stadtrat ("City Councillor") für den Castro-Bezirk gewählt
zu werden und als erster offen lebender Schwuler ein bedeutendes politisches
Amt zu bekleiden - ein Amt, das ihm nur 11 Monate vergönnt war.
Im
November 1978 wurden Harvey Milk und der damalige Bürgermeister von San
Francisco, George Moscone, vom ehemaligen Stadtrat Dan White im Rathaus
erschossen. Frustriert von der Lokalpolitik war White zuvor von seinem Sitz im
Stadtrat zurückgetreten. Nachdem er seine Meinung geändert hatte, bat er
Bürgermeister Moscone, ihn wieder einzusetzen. Dieser verweigerte die Bitte, u.a.
auf Anraten von Harvey Milk. Darüber geriet White so in Rage, dass er Moscone
und Milk nacheinander erschoss.
Das
Strafmaß (sieben Jahre Gefängnis) wurde von vielen Einwohnern San Franciscos als
skandalös niedrig empfunden. Es kam zu massiven Demonstrationen und schweren
Zusammenstößen. Bei anschließenden Aktionen der Polizei wurden mehrere schwule
Bars in der Castro Street zerstört.
Nach
Harvey Milk ist eine neue Generation Homosexueller herangewachsen, die offen
lebt, selbstbewusst auftritt und sich gesellschaftspolitisch engagiert. Für sie
ist Harvey Milk Kultfigur, Vorbild und Pionier für eine starke
Emanzipationsbewegung für Lesben und Schwule – nicht nur in den USA. Harvey
Milk, seine Persönlichkeit und seine Leistungen, sind zu einem Mythos geworden.
Für das US-Nachrichtenmagazin TIME zählt Harvey Milk zusammen mit den Kennedys,
Marilyn Monroe, Che Guevara und Prinzessin Diana zu den einhundert bedeutendsten
Persönlichkeiten des vergangenen Jahrhunderts.
Viele
Orte und Zentren schwulen- und lesbenpolitischen Lebens und Engagements wurden
nach ihm benannt, am bekanntesten wohl die "Harvey Milk Highschool" in New York
(inzwischen eine öffentliche High School).
Noch heute führt die "Gay
Freedom Day Parade" am letzten Sonntag im Juni über die Market Street zum Civic
Center, wo das Attentat geschah.
Das
Leben Harvey Milks wurde von Rob Epstein als
Dokumentationsfilm
"The Times of
Harvey Milk" verfilmt und mit einem Oscar ausgezeichnet. Daneben gibt es
auch eine TV-Verfilmung
"Execusion of
Justice" mit Sean-Penn-Freund Peter Coyote in der Titelrolle des Harvey
Milk.
Mitte
der 90er-Jahre wurde sogar eine Oper über das Drama um Harvey Milk auf die Bühne
gebracht. Die "Zeit" bezeichnete das Werk als "erste offizielle Schwulenoper der
Musikgeschichte".
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Im
Januar 2008 wurde mit der Produktion für Gus Van Sants neusten Film begonnen. Am
28. Oktober 2008 war die Premiere des Films, stilgerecht im altehrwürdigen
Castro Theatre in San Francisco.