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Offener Brief an Mr. Bush
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Auch
wenn Sean Penn sich immer unpolitisch gibt und keiner Partei angehört -
Aktivismus hat in seiner Familie Tradition. Leo Penn, Seans Vater, weigerte sich,
vor McCarthys American Activities Committee Namen angeblicher Kommunisten in
Hollywood zu nennen und wurde daraufhin auf die schwarze Liste gesetzt. Geprägt
durch den Einfluß des Vaters wuchs Sean Penn, wenn auch selbst - wie er sagt -
nicht politisch engagiert, mit einem ausgeprägten politischen und sozialen
Gerechtigkeitsgefühl auf.
Es war Oktober 2002,
also noch bevor andere Promis auf die Straße gingen, als Sean Penn begann, sich
in die internationale Debatte einzumischen - und das mit einem Paukenschlag!
Er schrieb einen
offenen Brief an 'Mr. Bush', platziert als ganzseitige Anzeigenanzeige, für die
er den stolzen Betrag von $ 56.000 zahlte, in der Tageszeitung Washington Post.
Darin forderte er seinen Präsidenten u. a. auf, die Waffeninspekteure weiter
ihre Arbeit machen zu lassen und den Kreislauf zu stoppen, bei dem 'Bomben
mit Bomben beantwortet werden, Verstümmelungen mit Verstümmelungen und Töten mit
Töten'.
(Text
der Washington-Post-Anzeige)
oder
Bild der Original-Anzeige
) .
Eine solch dreiste
Tat polarisiert natürlich!
Neben viel Zustimmung für seinen Mut wurde Sean
Penn auch mit schwersten Vorwürfen, ja Vorhaltungen, insbesondere seitens der
Politik und der Presse, konfrontiert, vom Fernsehen wurde er verspottet, von
vielen als Vaterlandsverräter gebrandmarkt. Vorreiter im Feldzug gegen Sean Penn
war Rupert Murdochs Medienimperium, allen voran die New York Post und Fox News
Channel. So ließ der republikanische Kongressabgeordnete Peter King in der New
York Post verlauten: 'The guy's lucky he can act and should leave it at
that. It gives recognition to Hussein, that he doesn't deserve.'
Sein Freund
und Schauspielkollege Woody Harrelson drückt es so aus: '...
when he did that deal with Iraq, my admiration for
him shot through the roof. I just thought that was one of the bravest moves ever.
Of course, he got nothing but shit for it.'
Sean Penn selbst
sagte später, dass seine Anzeige 'eine Flut von Fehlinterpretationen der
Presse und sogar den Vorwurf des Verrats ausgelöst' habe.
In einem Interview
im Jahr 2005 reflektiert er über die Anfeindungen nach seiner Woshington-Post
Veröffentlichung wie folgt:
'Es ist doch wirklich ein dummer Gedanke, den Beruf eines Menschen damit zu
verbinden, was er zu tun oder zu lassen hat (...) Ich denke, diese Leute sollten
sich ihren
scheinheiligen Ronald-Reagan-Ansichten
echt in den Arsch schieben'.
Hingehen - hinschauen - zuhören
Noch schlimmer
wurde die Angelegenheit, als Sean Penn im
Dezember 2002 selbst in den Irak reiste! In den Augen vieler unverständlich,
unpatriotisch und verräterisch, denn schließlich war er kein Politiker, kein
Soldat, noch nicht einmal ein Journalist! Was hatte er also bitteschön im Irak
zu suchen?
Norman Solomon ,
der Chef des 'Institute for Public
Accuracy' (ein Konsortium von Politik- und
Medienwissenschaftlern, die die Medienlandschaft ganz genau beobachten) hatte
Sean Penn zu der Reise eingeladen und dieser hatte die Einladung angenommen, als
'Patriot und Ermittler', weil er die Gründe der Krise zwischen Irak und den USA
besser verstehen wollte.
Eine Entscheidung, die vor dem Hintergrund der Vorwürfe und Anfeindungen in
Bezug auf seine Person umso mehr Respekt verdient.
Sean Penn in einem Kinderkrankenhaus
in Bagdad
Kathy
Kelly, eine Friedensaktivistin, die Sean Penn im Irak kennenlernte, äußert sich
zu ihrer Begegnung wie folgt:
'I'm sort of preternaturally out of it: my friends wrote to me and said:
'Sean Penn was married to Madonna, and we don't mean the mother of Jesus!
Try to get this straigth ... So we went to the Al-Rashid and Sean sat and talked
with us for about an hour. It seemed to me he was a very genuine person - didn't
have any airs, didn't seem interested in making an impression ... And we admired
him for saying he wasn't going to be anybody's poster boy: he just wanted to go
and look and listen.'
Am 15. Dezember 2002 gab Sean Penn
zum Abschluss seiner Irak Reise eine Pressekonferenz im Al-Rashid in Bagdad.

Norman Solomon und Sean Penn auf
der Pressekonferenz, Bagdad, 15.12.02
Text der Pressekonferenz Bagdad
Die
Offiziellen im
Irak
wußten nur zu gut, wie man Propaganda
ausnutzte. Am 19. Dezember 2002 berichtete die offizielle Iraqi News Agency:
'... that Sean Penn had in the course of his trip confirmed, that Iraq is
completely clear of weapons of mass destruction'. (!!)
Sean Penn sagte nach
seiner Rückkehr in einem weiteren kurzen Statement, dass er als 'Vater,
Schauspieler, Filmemacher und Patriot' den Irak besucht habe. Für ihn sei
das ganze eine 'ganz natürliche Verpflichtung gewesen, eine Gewissensfrage
sozusagen'.
Und weiter heißt es im Statement, dass Sean Penn sehr froh über diese
Gelegenheit war, diesen ganzen Konflikt besser zu verstehen und er hoffte, dass
alle Amerikaner 'Informationen
begrüßen, die ihnen abseits der öffentlichen Kanäle geboten werden.'
Soviel 'Einmischung' in
die große Politik sollte auch beruflich nicht ohne Folgen bleiben. Wie viele
andere Schauspieler, bekam auch Sean Penn die Auswirkungen seiner offenen
Meinungsäußerung zu spüren.
Im Februar 2003
verklagte Sean Penn den Produzenten Steve Bing auf Zahlung von 10 Millionen
Dollar, da dieser ihm auf Grund seiner Antikriegshaltung die Rolle in 'When men
shouldn't marry' entzogen haben soll. Steve Bing seinerseits bestritt dies
vehement und verklagte Sean Penn seinerseits wegen Verleumdung und Erpressung.
Sean Penn bekam
zwischenzeitlich grünes Licht für eine Klage gegen Bing, wogegen dessen Klage
vom kalifornischen Superior Court abgewiesen wurde, da es die Möglichkeit einer
Anklage wegen erpresserischer Verleumdung im kalifornischen Strafrecht nicht
gibt.
Wie die
Angelegenheit ausging, ist bisher nicht bekannt.
In 2003
kehrt Sean Penn in den Irak zurück ....
